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Projekt "Evaluation der Weiterbildung" der Bundesärztekammer und der Landesärztekammern

http://www.aerzteblatt-sachsen-anhalt.de/02/images/stories/09_heft_03/0903_S_08_projekt_evaluation.pdf

 

Ausgangssituation und Projektbegründung

In den vergangenen Jahren wurde die Weiterbildungssitu- ation in Deutschland häufig dafür verantwortlich gemacht, dass junge Ärztinnen und Ärzte aus der Patientenversor- gung aussteigen und in andere Berufsfelder wechseln oder ins Ausland abwandern. Verlässliche Daten über den Grad der Unzufriedenheit und die Gründe, dem kurativen System schon in jungen Jahren den Rücken zu kehren, liegen derzeit allerdings nicht vor. Die tatsächlichen Ursa- chen für die Unzufriedenheit des ärztlichen Nachwuchses, im Gesundheitssystem dauerhaft tätig zu werden, können in den Weiterbildungsstrukturen selbst oder aber primär in den politisch verursachten Rahmenbedingungen der Wei- terbildung begründet sein. Zur Klärung dieser Fragen hat der Vorstand der Bunde- särztekammer beschlossen, eine routinemäßige, zweijähr- liche Befragung von Weiterbildungsassistenten über die Zufriedenheit mit der Weiterbildungssituation in den Lan- desärztekammern durchzuführen.

 

Nutzen

Anhand der gesammelten Daten sollen die Stärken und Schwächen der Weiterbildung in den einzelnen Weiterbil- dungsstätten erhoben werden. Durch die Bewertung der einzelnen Weiterbildungsstätten und die Darstellung der Ergebnisse der Mittelwerte auf Bundes- und Landesebene soll dieses Verfahren erstmals Vergleichsmöglichkeiten schaffen und Transparenz über die Weiterbildungssituati- on herstellen. Die Ergebnisse sollen Verbesserungspotenziale aufzei- gen, um z. B. Handlungskonzepte für strukturierte Weiter- bildungsabläufe zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen da- rüber hinaus – im Sinne einer Qualitätsoffensive – Verhal- tensänderungen in den Weiterbildungsstätten sowie bei den Weiterbildungsbefugten und Weiterbildungsassi- stenten auslösen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Strategien ge- gen den Nachwuchsmangel und gegen die Abwanderung junger Ärztinnen und Ärzte in andere Berufsfelder oder ins Ausland entwickelt werden. Mit der Erhebung der Daten und den damit ausgelösten Wirkungen soll die Weiterbildung auch verstärkt als Kern- Aufgabe der Ärztekammern öffentlich wahrgenommen werden. Die erhobenen Daten dienen zugleich als Argumentations- hilfe bei entsprechenden innerärztlichen Diskussionen so- wie im politischen Raum – um mit handfesten, belegbaren Daten ungerechtfertigten Behauptungen zur Weiterbil- dungssituation begegnen zu können.

 

Projektziele

Durch das Projekt „Evaluation der Weiterbildung“ soll eine Verbesserung der Weiterbildungssituation in Deutschland herbeigeführt werden. Anhand der Befragungsergebnisse können Stärken und Schwächen der Weiterbildung aufgezeigt werden. Durch die regelmäßige Erhebung und Auswertung der Befra- gung soll eine dauerhafte Evaluierung der Weiterbildung stattfinden und als Routine etabliert werden.

 

Durchführung

Im Abstand von zwei Jahren soll die Weiterbildungssituati- on durch entsprechende Befragungen analysiert werden. Dabei soll eine einheitliche Erhebungsform und Befra- gungsmethodik zugrunde gelegt werden, wie sie in den Ärztekammern Hamburg und Bremen in den Jahren 2006/07 anhand standardisierter Fragebögen bereits er- folgreich angewandt wurde. Die Methodik lehnt sich an die seit über 12 Jahren praktizierten Studien in der Schweiz an, welche – wie das Projekt in Deutschland – in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich vorgenommen werden.

Befugtenfragebogen: umfasst ca. 30 Fragen zu folgen- den Themen, u. a.

o Wochenarbeitszeit/Aufteilung auf verschiedene Tätigkeiten

o Arbeitszeitgesetz und Vereinbarkeit mit der Weiterbil- dung

o Weiterbildungskonzept („Curriculum“)/Rotationen

o Einschätzung der Motivation der AA

o Fort- und Weiterbildungsbudget

AA-Fragebogen: umfasst 8 Fragen-Komplexe (insgesamt ca. 100 Fragen)

o Globalbeurteilung

o Vermittlung von Fachkompetenzen

o Lernkultur

o Führungskultur

o Fehlerkultur

o Entscheidungskultur

o Betriebskultur

o Anwendung Evidenz basierter Medizin

o … sowie weitere Fragen, die sich mit Eigenaktivität, dem Weiterbildungskonzept, der Arbeitssituation und dem Arbeitszeitgesetz befassen

Erläuterung der Fragen-Komplexe (etwaige Anzahl der Fragen):

- Globalbeurteilung (3) Ich würde die Weiterbildungsstätte weiterempfehlen.

- Fachkompetenz (28) Wie groß ist der Beitrag der Weiterbildungsstätte, an der Sie zurzeit tätig sind, zur Entwicklung der fol- genden Kompetenzen, Fähigkeiten beziehungsweise Kenntnisse?

- Lernkultur (7) Meine Weiterbildner nehmen sich genügend Zeit, um mir Zusammenhänge und Fragen zu erklären, die ich nicht verstanden habe.

- Führungskultur (6) Meine Vorgesetzten sorgen für eine gute Zusammenar- beit im Team. Projekt „Evaluation der Weiterbildung“ der Bundesärztekammer und der Landesärztekammern Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 20 (2009) 3 9 Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 20 (2009) 3 9

- Fehlerkultur/Patientensicherheit (3) An unserer Weiterbildungsstätte gibt es ein System zur Meldung kritischer Ereignisse/Komplikationen oder ein CIRS (Critical Incidence Reporting System).

- Entscheidungskultur (4) Es wird vorgelebt, dass bei einer Entscheidung alle Aspekte (soziale, psychische und medizinische) berücksichtigt werden müssen.

- Betriebskultur (4) In unserer Weiterbildungsstätte (Ärzte und Pflegeper- sonal) herrscht ein gutes Arbeitsklima.

- Evidenz basierte Medizin (4) Ich lerne, die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Stu- die konkret bei der Behandlung eines Patienten anzu- wenden.

Vergleichs-Gruppen („Benchmark-Gruppen“):

- 51 Facharztgruppen entsprechend MWBO

- 5 Gruppen Basisweiterbildungen ≈ Gebiete MWBO

- 1 Gruppe Hausärzte

- 1 Gruppe Fachärzte ambulant

Ergebnisse der Befragung: Befugtenberichte/Analysen

1. Bericht für die eigene Abteilung

2. Benchmarks innerhalb des eigenen Fachgebietes auf Länderebene

3. Benchmarks innerhalb des eigenen Fachgebietes im Bundesvergleich

 

Zeitplan

Anfang 2009 erstellen die beteiligten Ärztekammern eine Adress- und Datenliste sämtlicher in der Ärztekammer re- gistrierter Befugten.

Ende April/Anfang Mai 2009 schreiben die Ärztekam- mern die Befugten an, um die Anzahl der in der Weiterbil- dungsstätte zum aktuellen Zeitpunkt in Weiterbildung be- findlichen Assistenten abzufragen und die Befugten auf- zufordern, an der ersten Befragungsrunde teilzunehmen. Dazu erhält der Befugte seinen persönlichen Zugangs- Code sowie bei Eingabe der Anzahl der Assistenten die entsprechende Anzahl an Zugangs-Codes für die Online- Einwahl der Assistenten in das Fragebogenprogramm.

Die Befugten induzieren die Teilnahme der Assistenten.

Es wird ein Zeitraum von ca. 6 bis 8 Wochen Rücklauffrist für die Beantwortung der Fragebögen eingeräumt. Eine Erinnerung zur Erhöhung der Teilnahme der Be- fugten/Assistenten (über die Befugten) an der Befragung erfolgt ca. 3 und 6 Wochen nach Start der Befragung.

August/September 2009 (ETHZ): Datenaufbereitung, Durchführung der Datenanalysen

Oktober/November 2009 (ETHZ): Erstellung des Berichtswesen und Benchmarks für die Be- fugten, Erstellung der Länderrapporte für LÄK und BÄK

Ende 2009/Anfang 2010:

- Freischaltung der Befragungsergebnisse der Befugten (Befugten-Berichte) online

- Zugriff von LÄK/BÄK auf die Ergebnisse der einzelnen Befugten-Berichte und die Länderrapporte

Im Verlauf von 2010:

Bewertung und Schlussfolgerung der ersten Erhebungs- phase

Anfang 2011:

Beginn der zweiten Befragungsphase: Ablauf im Prinzip in gleicher Weise

Im Verlauf von 2012

Ende des zweiten Durchlaufs:

1. Schlussfolgerung der zweiten Erhebungsphase

2. Beratung über den Übergang des Projekts in die Routine

 

Datenschutz

Alle im Zusammenhang mit dem Projekt erhobenen und verwendeten Daten werden gemäß den gesetzlichen Be- stimmungen über den deutschen Datenschutz behandelt. Bei der Verwendung der Daten wird dafür Sorge getra- gen, dass Rückschlüsse auf die Identität der befragten Ärztinnen und Ärzte, die sich in Weiterbildung befinden, nicht möglich sind. In den Fällen, in denen die Anonymität aufgrund geringer Teilnehmerzahl nicht gewährleistet werden kann, dürfen die Daten nur mit ausdrücklicher Einwilligung dieser Ärz- tinnen und Ärzte verwendet werden. Die Befugtenberichte dürfen nur mit Zustimmung der Be- fugten veröffentlicht werden. BÄK

 





 

 
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